Lehren zu gehorchen: Jüngerschaft
8 Kernfelder von Jüngerschaft strategisch anwenden
In der letzten Einheit haben wir bereits einen Überblick über die 8 zentralen Kernfelder der Jüngerschaft erhalten. Heute möchten wir das vertiefen und eine Vision entwickeln, diese 8 Kernfelder strategisch im Fokus zu behalten. Wie schon in der vorherigen Einheit betont, liegt der Fokus der Jüngerschaft nicht auf einzelnen Themen wie dem Gebet, dem Wort Gottes oder dem Heiligen Geist. Es ist vielmehr ein ganzheitlicher Ansatz gefragt. Ziel ist es, diese 8 Kernfelder kontinuierlich in unseren Diskussionen und Vorgehensweisen zu integrieren, um eine umfassende geistliche Entwicklung zu fördern. Der Inhalt dieser 8 Kernfelder stammen aus dem Buch „Roots and Wings: An Integrative Bible Study for Discipleship. Von Edmund Chan.“
1. Biblische Theologie | Hier beantwortet man die Frage: Wer ist Gott?
Die Furcht vor der Hingabe an Gott entsteht oft aus der Angst, die Kontrolle zu verlieren. Diese lähmende Angst hat ihre Wurzeln darin, dass wir Gott nicht wirklich kennen! In seinem zeitlosen Werk "Knowing God" stellt der renommierte Theologe J.I. Packer fest, dass diejenigen, die Gott wirklich kennen, durch vier herausragende Merkmale gekennzeichnet sind: (1) sie haben große Energie für Gott; (2) sie haben große Gedanken über Gott; (3) sie zeigen große Kühnheit für Gott; (4) sie haben große Zufriedenheit in Gott. Wir müssen Gott kennen!
Durch den Sündenfall ist jeder Mensch desorientiert und geistlich tot. Menschen sehen sich in erster Linie als physische Wesen, die gelegentlich eine spirituelle Erfahrung haben. Eigentlich ist der Mensch aber ein geistliches Wesen, dass physische Erfahrungen macht. Der Sündenfall führte dazu, dass der Mensch den Ausgangspunkt seiner Existenz verloren hat. Das Verständnis von Gott ist von entscheidender Bedeutung für unser Leben. Wenn wir die Beschäftigung mit Gott vernachlässigen, verurteilen wir uns selbst dazu, im Leben blind umherzuirren, ohne Orientierung und ohne Verständnis für unsere Umgebung. Auf diese Weise riskieren wir, unser Leben zu verschwenden und unsere Seele zu verlieren.
Aus diesem Grund ist es wichtig, Jüngerschaft als einen Prozess zu sehen, der die Fragen nach Gott immer wieder beantwortet. Sinn, Orientierung und wahre Erfüllung finden wir in einem widerhergestellten Gottesbild. Deswegen ist die Frage, wer Gott für dich persönlich ist so entscheidend. Deine Definition hat einen enormen Einfluss auf dein Gegenüber. Wahre Jüngerschaft ist eine Reise. Sie nimmt uns mit auf das größte Abenteuer des Lebens: Gott zu erkennen! Und wenn wir beginnen, ihn wirklich zu kennen, gelangen wir an den Punkt der Hingabe – damit wir Gott sein lassen können, wie er ist – und ihn dadurch in seiner ganzen Pracht erleben können!
2. Biblische Loyalität | Hier stellt man sich die zentrale Frage: Wer ist mein Herr und Meister?
Die Jüngerschaft ist eine Reise, deren Preis anspruchsvoll ist. Im Kern der biblischen Jüngerschaft steht die Souveränität Christi. Nur eine Hingabe ohne Vorbehalte ist ausreichend. Die radikale Jüngerschaft des Neuen Testaments fordert von uns absolute Treue zur uneingeschränkten Herrschaft Jesu Christi über alle Aspekte unseres Lebens. Die entscheidende Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: "Wer herrscht wirklich über meinem Leben?"
Wenn wir ehrlich sind, erkennen wir, dass wir alle gerne die "Herren" unseres eigenen Schicksals wären. Doch wenn Gott seinen rechtmäßigen Platz in unserem Leben einnimmt, reagieren wir manchmal widerwillig auf seine heilsame Einmischung. Wie ein altes Sprichwort der Jüngerschaft besagt: "Wenn Christus nicht HERR ÜBER ALLEM ist, ist er ÜBERHAUPT nicht Herr!" Nur eine vollkommene Hingabe ist unserem Herrn würdig. Jesus lädt uns ein, zu ihm zu kommen und unser altes Selbst sterben zu lassen, um uns völlig mit ihm zu verschmelzen. Wer ist der wahre Herr deines Lebens? Würdest du ihm deine bedingungslose Treue schenken?
Bei der Jüngerschaft geht es allerdings nicht darum Druck zu machen, oder nur den Anspruch zu betonen. Der Anspruch ist wichtig, aber Gott ist nicht nur ein Gott der Anspruch erhebt, er ist auch jemand, der bedingungslosen Zuspruch schenkt. Unsere Loyalität erwächst aus einer Liebe und Hingabe zu ihm. Genau das sollte in unserem Leben wiederzufinden sein. Und wenn die Menschen das in unserem Leben erkennen, werden sie unserem Beispiel gerne folgen.
3. Biblische Identität | Hier stellt man sich die Frage: Wer bin ich?
In einer Welt, die oft von Selbstbezogenheit geprägt ist, stehen wir vor der Herausforderung, unsere wahre Identität zu entdecken. Unsere menschliche Neigung, uns auf uns selbst zu konzentrieren, hat uns oft in eine Spirale des Egoismus gezogen. Die Paradoxie des Lebens ist folgende: Je mehr wir mit uns selbst beschäftigt sind, desto mehr verlieren wir unsere Identität! Doch im Gegenzug, je näher wir zu Gott kommen - und uns in ihm verlieren - desto mehr finden wir uns selbst wieder und entdecken unsere wahre Identität neu. Warum? Weil der Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen ist! Wir finden uns nicht, indem wir uns selbst entdecken, sondern indem wir Gott finden! Der Humanismus lehrt etwas völlig anderes. Finde dich selbst. Punkt. Identität wird allerdings nicht in Isolation gefunden, sondern in der Verbindung. Sie liegt in der Beziehung zum Einen, wahren Gott, der unsere wahre Essenz kennt.
Jüngerschaft ist demnach ein Prozess, in dem wir Menschen helfen, sich voll und ganz von Gott abhängig zu machen. Nicht mehr sich selbst zu leben, sondern Christus in sich leben lassen (Galater 2,20). Paulus sagt im selben Vers, dass Jesus ihn liebt. Die Liebe Jesu ist die Schlüsselerfahrung, die ein Jünger Jesu immer wieder machen muss, um seine eigene Identität zu entdecken. Als Jüngermacher helfen wir Menschen und beten dafür, dass sie Gott näher kommen. Wie steht es um uns selbst?
4. Biblische Bestimmung | Hier stellt man sich die Frage: Wozu bin ich berufen?
Eine der eindrucksvollsten Geschichten der biblischen Berufung ist die Berufung des Propheten Jeremia. Gott sprach zu Jeremia: "Ehe ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich erkannt, und ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt" (Jeremia 1,5). Diese Worte verdeutlichen, dass Gott bereits vor unserer Geburt einen bestimmten Zweck für uns im Sinn hat. Jeremia wurde berufen, Gottes Botschaft zu den Nationen zu tragen, und er folgte diesem Ruf trotz vieler Herausforderungen und Widerstände.
Ehe ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich erkannt, und ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt
Jeremia 1,5
Auch das Leben von Moses ist ein eindrucksvolles Beispiel für die biblische Berufung. Gott rief Moses vom brennenden Dornbusch aus und beauftragte ihn, das Volk Israel aus der Knechtschaft in Ägypten zu befreien. Obwohl Moses zunächst zögerte, antwortete er schließlich dem Ruf Gottes und führte die Israeliten durch die Wüste zur Verheißung des gelobten Landes.
Die Bibel lehrt uns, dass die Berufung nicht nur auf Propheten oder Führungspersönlichkeiten beschränkt ist. Jeder von uns hat eine einzigartige Berufung in Gottes Reich. In Epheser 2,10 steht: "Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen." Gott hat gute Werke für uns vorbereitet, die wir in unserem Leben ausführen sollen, um seine Liebe und seinen Plan für die Welt zu offenbaren.
Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.
Epheser 2,10
Als "Jüngermacher" haben wir die einzigartige Gelegenheit, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Bestimmung zu entdecken. In der Begleitung von Menschen ist es wichtig, unsere eigenen Erfahrungen mit Gottes Führung und Leitung zu teilen. Es ist auch von entscheidender Bedeutung, ehrlich über die Herausforderungen, Kämpfe und ungeklärten Fragen in Bezug auf unsere eigene Berufung zu sprechen.
In vielen unserer Leben gibt es Momente, in denen wir Gottes Führung auf eine besondere Weise erleben. Situationen, in denen wir plötzlich Klarheit darüber haben, welchen Weg wir einschlagen sollten, und es sich anfühlt, als ob Gott uns führt. Gleichzeitig erleben wir jedoch auch Zeiten der Unsicherheit und Zweifel. Zeiten, in denen wir uns fragen, ob wir wirklich auf dem richtigen Weg sind oder ob wir unsere Berufung möglicherweise falsch verstanden haben.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Entdeckung unserer eigenen Berufung oft kein gerader Weg ist. Wir können Zeiten der Verwirrung und Dunkelheit durchleben, bevor wir Klarheit finden. Das ist völlig normal, und wir sollten nicht erwarten, von Anfang an alles zu wissen.
Durch die Auseinandersetzung mit unseren eigenen Kämpfen und Fragen können wir wachsen und lernen, Gott mehr zu vertrauen und auf seine Führung zu achten, auch wenn sie nicht immer sofort ersichtlich ist. Die Reise der Berufung ist ein fortwährender Lernprozess, und wir sind alle dabei, sie zu erforschen und besser zu verstehen.
5. Biblische Werte | Hier stellt man sich die Frage: Was ist das Wichtigste in meinem Leben?
Unsere Kernwerte definieren uns und geben uns Orientierung. Sie sind der Kompass, der uns zeigt, warum wir den Weg gehen, den wir gewählt haben. Unsere Werte sind der Schlüssel zu den Entscheidungen, die wir treffen, den Menschen, die wir begleiten, dem Lebensstil, den wir leben, und den Dingen, die uns wirklich wichtig sind. Als Jünger von Jesus ist es von großer Bedeutung, dass unsere Werte von den Lehren der Heiligen Schrift geprägt sind. Diese biblischen Werte entspringen unserem innersten Wesen, wenn wir in der Wahrheit verweilen, und sie motivieren uns zu Handlungen, die das Leben unserer Mitmenschen positiv beeinflussen.
Der Prophet Jeremia warnt das Volk in Jeremia 15:19: "Deshalb sagt der Herr: Wenn du zurückkehrst, werde ich dich wiederherstellen, und du wirst vor mir stehen. Wenn du Wertvolles äußerst und nicht Wertloses, wirst du wie mein Mund sein."
Deshalb sagt der Herr: Wenn du zurückkehrst, werde ich dich wiederherstellen, und du wirst vor mir stehen. Wenn du Wertvolles äußerst und nicht Wertloses, wirst du wie mein Mund sein.
Jeremia 15,19
Viele Menschen leben ihr Leben fehlgeleitet, indem sie das Wertvolle gegen das Wertlose eintauschen. Doch wir haben die Chance, klug und weise zu handeln, indem wir uns an gottgewollte Werte haltet. Bedenke dabei stets, dass deine Werte deine Mitmenschen und dich selbst positiv beeinflussen können. Deine Hingabe an biblische Werte wird dich und andere bereichern und ermutigen. Was wertlos ist, sind oft vergängliche Vergnügen, vorübergehender Besitz und die wechselhafte Anerkennung der Menschen. Was von ultimatem Wert ist, sind nur drei Dinge: Gott, das Wort Gottes und die Seelen der Menschen. Diese drei werden ewig halten, und ich ermutige dich, deine volle Aufmerksamkeit auf sie zu richten.
Ich ermutige dich, zu definieren, was für dich von ultimativer Bedeutung ist, damit du deinen Mitmenschen dabei helfen kannst, ebenfalls für das zu leben, was wirklich zählt. Wenn wir für Gottes Zweck leben, werden wir Werte umarmen, die mit einem solchen Leben in Einklang stehen.
„Die eigene Philosophie lässt sich nicht am besten in Worten ausdrücken; sie kommt in den Entscheidungen zum Ausdruck, die man trifft.... Auf lange Sicht gestalten wir unser Leben und uns selbst. Dieser Prozess endet nie, bis wir sterben. Und die Entscheidungen, die wir treffen, liegen letztlich in unserer Verantwortung.“
Eleanor Roosevelt
6. Biblische Prioritäten | Hier stellt man sich die Frage: Welche Dinge gehören an die erste Stelle?
Im Leben kann es oft sehr hektisch zugehen, und die ständigen Anforderungen des modernen Lebens können uns leicht in einen Strudel aus Betriebsamkeit ziehen. Doch lass uns gemeinsam darauf schauen, dass selbst in diesem Trubel Raum für geistliches Wachstum und die Verbreitung des Wortes Gottes ist. Die Herausforderung besteht darin, unser Innerstes zu klären und inmitten all dieser Aktivitäten die Stimme Gottes nicht zu überhören.
Es ist wirklich ironisch, dass wir selbst bei der Arbeit im Dienst Gottes manchmal Gott selbst aus den Augen verlieren können. Es ist bedauerlich, wenn wir uns im Dickicht der unwichtigen Dinge verirren. Niemand von uns kann von sich behaupten, gegen Versuchungen immun zu sein. Egal, ob du häufig ins Ausland reist, von deiner Arbeit überwältigt wirst, viel Zeit im Internet verbringst oder dich hin und wieder gelangweilt fühlst - Versuchungen können überall lauern. Wenn wir mit Menschen sprechen, die bereits Versuchungen erlegen sind, stellen wir oft fest, dass es an der Disziplin gefehlt hat, die "ersten Dinge an die erste Stelle zu setzen".
Daher ist es von äußerster Bedeutung, die Priorität zu setzen, die "ersten Dinge an die erste Stelle zu setzen", wenn wir als Jünger Christi leben möchten. Für einen Jünger Jesus hat das Wort Gottes höchste Priorität. In Psalm 119,11 heißt es: „"Ich habe dein Wort in meinem Herzen bewahrt, damit ich nicht gegen dich sündige.“ Ebenso gehört das Gebet zu den Dingen, die hohe Priorität haben. Denk daran, dass biblische Werte den biblischen Prioritäten vorausgehen. Wenn unsere Werte richtig ausgerichtet sind, werden unsere Prioritäten klar.
Du bist auf einem wichtigen Weg, andere zu Jüngern von Jesus zu machen, und dieser Weg kann manchmal herausfordernd sein. Doch denk immer daran, dass Gott dich in diesem Prozess ermutigt und stärkt. Wenn wir unsere Werte klären und die richtigen Prioritäten setzen, können wir in unserer Mission erfolgreich sein. Sei ermutigt, fokussiert und beharrlich in deinem Dienst für Jesus Christus, denn deine Arbeit hat einen tiefgreifenden Einfluss auf das Leben anderer Menschen.
Ich habe dein Wort in meinem Herzen bewahrt, damit ich nicht gegen dich sündige.
Psalm 119,11
7. Biblische Befähigung | Hier stellt man sich die Frage: Wie werde ich befähigt?
Die drei Schlüsselelemente für die biblische Befähigung - der Heilige Geist, geistliche Gewohnheiten und geistliche Gemeinschaft - sind von entscheidender Bedeutung, um als Jüngermacher in unserer geistlichen Reise zu wachsen und erfolgreich zu sein. Lass uns diese Elemente genauer betrachten und uns ermutigen, in jedem Bereich zu wachsen:
1. Der Heilige Geist
Der Heilige Geist ist unser göttlicher Führer und Tröster. Er stärkt uns, gibt uns Weisheit und befähigt uns, Jünger für Christus zu machen. Bemühe dich darum, deine Beziehung zum Heiligen Geist zu vertiefen. Verbringe Zeit im Gebet und in der Anbetung, damit du empfänglicher für Seine Führung wirst. Ermutige dich selbst und andere, sich ständig vom Heiligen Geist leiten zu lassen, wenn es darum geht, Jünger zu machen.
2. Geistliche Gewohnheiten
Geistliche Gewohnheiten, wie das Lesen der Bibel, das Beten, das Fasten und das Meditieren über Gottes Wort, sind Schlüsselkomponenten unseres geistlichen Lebens. Setze dir das Ziel, diese Gewohnheiten zu pflegen und weiterzuentwickeln. Sie sind der Weg, wie wir unsere "geistliche Klinge" schärfen und effektiver im Jüngermachen werden. Ermutige auch andere, diese Gewohnheiten zu praktizieren, indem du ihnen ein Beispiel gibst und sie in ihren geistlichen Disziplinen unterstützt.
3. Geistliche Gemeinschaft
Die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen ist unerlässlich für unser geistliches Wachstum und unsere Wirksamkeit als Jüngermacher. Suche aktiv nach Möglichkeiten, in geistlicher Gemeinschaft zu sein, sei es in einer kleinen Gruppe, einer Gemeinde oder durch Mentoring-Beziehungen. Ermutige dich selbst und andere, in solchen Gemeinschaften aktiv zu sein, um geistlichen Austausch, Ermutigung und Unterstützung zu erleben.
Denke daran, dass Wachstum in diesen drei Bereichen ein kontinuierlicher Prozess ist. Ermutige dich selbst und andere, diesen Weg der geistlichen Entwicklung mit Freude und Hingabe zu beschreiten. Gemeinsam werden wir fähig sein, Jünger für Jesus Christus zu machen und Sein Reich voranzubringen.
8. Biblische Fundamente | Hier stellt man sich die Frage: Auf was soll mein Leben gegründet und ausgerichtet sein?
Wenn unsere Grundlagen schwach sind, führt das zu oberflächlichen Leben. Viele von uns übersehen die Einladung Gottes zu einem tieferen Lebensstil. Oft versuchen wir, sehr schnell zu wachsen, so schnell wie möglich. Besonders auffällig ist unsere Oberflächlichkeit im Umgang mit Gottes Wort. Wir haben keine tiefe Verbindung, keine festen Wurzeln.
Hier geht es darum, eine feste Grundlage für unser Leben zu legen. Es fordert uns auf, tief zu leben und zeigt, dass ein Leben ohne Tiefe nicht das Beste ist. Manchmal sind wir von verschiedenen Angeboten verführt. Viele von uns sind auf der Suche nach schnellen Lösungen und springen von einer Sache zur nächsten. Täglich Zeit mit Gottes Wort zu verbringen, erfordert Geduld und Disziplin. Doch wenn wir die Wahrheiten aus Gottes Wort in unserem Leben umsetzen, werden wir uns verändern!
Wir müssen immer wieder zurück zu Gott kommen und uns wieder auf Sein Wort ausrichten. Wir müssen es nicht nur lesen, sondern versuchen, es in unserem täglichen Leben umzusetzen. Denn die Wahrheit allein verändert nicht unser Leben. Es ist die angewandte Wahrheit, die uns wirklich prägt! Das Wort Gottes sind nicht nur gute Gedanken, die wir schätzen sollten, sondern lebensverändernde Wahrheiten, die wir aktiv anwenden müssen.
Geistliches Wachstum ist wie eine abwechslungsreiche Reise. Es hat Höhen und Tiefen, aber auch Gottes Gnade begleitet uns auf diesem Weg. Die Nähe zu Gott macht den entscheidenden Unterschied. Wir sind nicht dazu aufgerufen, nur gelegentlich in Gottes Gegenwart zu sein, sondern ständig in ihr zu leben. Das tägliche Lesen und Verstehen des Wortes Gottes ist dabei ein wichtiger Ankerpunkt!
Denk daran, ein festes Fundament ist wie ein stabiles Fundament für ein Gebäude. Wenn du sicherstellen möchtest, dass dein Leben auf festem Boden steht und den Herausforderungen des Lebens standhält, dann ist es wichtig, Zeit und Aufmerksamkeit in die Verbindung mit Gottes Wort zu investieren. Das ist keine Option, sondern ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Nachfolge!
Macht Jünger und zwei Strategien!
Lukas 24,13-35 ist ein sehr interessanter Text, der uns konkret helfen möchte, WIE wir Jünger machen. Die Geschichte handelt von zwei Jüngern, welche auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus sind. Sie reden über alles, was in der letzten Zeit geschehen ist. Das Gespräch dreht sich hauptsächlich um den Tod von Jesus. Doch auf einmal läuft Jesus selbst neben ihnen.
Zu Beginn erkannten sie Jesus gar nicht (V.16), ihre Gesichter waren traurig (V.17) und sie verstanden das Gesetz und die Propheten nicht (V.25). Doch nachdem sie mit Jesus zusammen waren, wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn wieder (V. 31); ihre Herzen brannten durch das was Jesus ihnen gesagt hatte. Ihre Gesichter strahlten voller Freude und sie verstanden plötzlich, was das Gesetz und die Propheten über den Messias berichteten. Sie glaubten den Worten der Schrift. Der Grund für ihre Veränderung lag darin, dass Jesus zu ihnen kam und mit ihnen ging. (V.15) In anderen Worten: Die Ursache der Veränderung war die Zeit der Jüngerschaft, die Jesus in das Leben dieser Männer investierte. Aus dieser Situation lernen wir, was das Ziel von Jüngerschaft ist. Nämlich: Menschen werden die Augen geöffnet, damit sie Jesus kennenlernen und sie bekommen das Verständnis und den Glauben In die Worte der Schrift. Das wird ein Brennen in ihren Herzen und Freude auf ihren Gesichtern auslösen, es wird ihr ganzes Leben verändern.
Jesus verwendete zwei Strategien, um die beiden Männer zu Jüngern zu machen. Die eine Strategie nennen wir „Strategie des Weges“ und die andere „Strategie des Tisches“. Es heißt:
und während sie so miteinander redeten und sich Gedanken machten, trat Jesus selbst zu ihnen und schloss sich ihnen an. „Worüber redet ihr denn miteinander auf eurem Weg?“, fragte er sie.
Lk 24,15+17
Nachdem er ein Gespräch mit ihnen begonnen hatte:
ging er mit ihnen die ganze Schrift durch und erklärte ihnen alles, was sich auf ihn bezog – zuerst bei Mose und dann bei sämtlichen Propheten.
Lk 24,27
Bei der „Strategie des Weges“ geht es darum, sich Menschen zu nähern und mit ihnen ein Stück des Weges zu gehen. D.h. das Leben mit ihnen teilen und daran zu glauben, dass diese Handlung eine Veränderung in dem anderen hervorrufen kann. Dazu braucht es echtes Interesse an den Angelegenheiten des anderen, den Wunsch ihm zur Veränderung zu helfen, Zeit und auch die Offenheit, den Anderen in das eigene Leben hineinblicken und daran teilnehmen zu lassen. Während Jesus mit ihnen wanderte, stellte er den beiden Fragen (siehe Verse 17 und 19) und gab ihnen Möglichkeit über das zu sprechen, was sie in diesem Moment dachten. Jesus war willig dem zuzuhören, was die anderen zu sagen hatten. Bei der „Strategie des Weges“ teilen wir unser Leben und unsere Zeit mit den anderen und geben ihnen die Gelegenheit über das zu reden, was ihnen auf dem Herzen liegt und sind willig zuzuhören. Auf dem Weg erklärte Jesus ihnen die Schriften und half ihnen zu verstehen was ein paar Tage zuvor geschehen ist. Zur „Strategie des Weges“ gehört nicht nur das aufrichtige und aufmerksame Zuhören auf die Anliegen des Anderen, sondern wir konfrontieren die Jünger auch mit den Aussagen der Bibel. Wir helfen ihnen diese Aussagen zu verstehen und zeigen, dass die Bibel ihnen Antworten für ihre gegenwärtigen Lebensumstände gibt. Im Text heißt es weiter:
So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wollte er weitergehen. Aber die beiden Jünger hielten ihn zurück. „Bleib doch bei uns!“, baten sie. „Es ist schon fast Abend, der Tag geht zu Ende.“ Da begleitete er sie hinein und blieb bei ihnen. Als er dann mit ihnen am Tisch saß, nahm er das Brot, dankte Gott dafür, brach es in Stücke und gab es ihnen.
Lk 24,28-30
Die „Strategie des Tisches“ ist viel persönlicher und vertrauter. Es geht darum sich Zeit zu nehmen und sich mit Leuten an einen Tisch zu setzen. Das erinnert an eine Klein- oder Zellgruppe. Bei einer Zellgruppe treffen sich ein paar Leute um gemeinsam das Lebensbrot zu teilen und sich gegenseitig aufzubauen. Die „Strategie des Weges“ und die „Strategie des Tisches“ zeigt uns wie wir Leute zu Jüngern machen, indem wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen (ganz praktisch im Alltag Zeit verbringen) und uns in Kleingruppen treffen. Das eine ist kein Ersatz für das Andere. Sie ergänzen sich gegenseitig. Es ist unabdingbar, dass der „Jüngermacher“ in das Leben des anderen eintritt und ihn in sein eigenes Leben eintreten lässt. Es geht also um eine Beziehung, bei der man am Leben des anderen teilnimmt. Gleichzeitig ist es wichtig, dass der Jüngermacher und der Jünger sich die Zeit für regelmäßige Treffen nehmen.
Jüngerschaft ist typisch für die jüdische Kultur, wie sie uns in der Bibel vorgestellt wird. Joel Comiskey beschreibt wie Jesus Jüngerschaft lebte in seinem Buch „Leadership Explosion“. Es ist ein ganz einfaches Modell, dass man in vier Schritte aufteilen kann:
Ich mache etwas und du schaust mir zu
Ich mache etwas und du hilfst mir
Du machst etwas und ich helfe dir
Du machst etwas und ich schaue dir zu
Fragen zum Nachdenken
- Wer ist der wahre Herr deines Lebens?
- Würdest du ihm deine bedingungslose Treue schenken?
- Wie steht es um uns selbst?